| Angst vor alten Konflikten |
|
| Geschrieben von Thüringer Allgemeine | |
| Montag, 4. Mai 2009 | |
|
Niedergebrannt ist der Ilmenauer Jugendclub "Blaues Wunder" in der Nacht zum Samstag. Die Kriminalpolizei Gotha ermittelt auf Brandstiftung. Gerüchten zufolge sollen kurz vor dem Brand an einer nahegelegenen Tankstelle drei Flaschen Spiritus gekauft worden sein. Ilmenaus Jugendszene ist aufgeschreckt: Es wird befürchtet, dass es wieder zu solchen handfesten Konflikten in der Stadt kommen könnte, wie es sie vor wenigen Jahren gab. ILMENAU. Als die ersten Kameraden der Ilmenauer Hauptwache kurz nach fünf Uhr Samstagnacht den Einsatzort erreichten, stand des Gebäude bereits komplett in Flammen. Angerückt mit sieben Fahrzeugen und 22 Einsatzkräften der Ilmenauer Hauptwache, ließ Wehrführer Eckhard Gille noch nachalarmieren und holte die Wachen Roda und Manebach mit jeweils zwei Fahrzeugen hinzu: 45 Feuerwehrleute waren schließlich im Einsatz. Dennoch konnten sie nicht verhindern, dass der vordere Teil des Gebäudes nicht mehr zu retten war. Mit einem Wasserstrahl wurde zudem ein nahe gelegener Gastank abgeschirmt, um Schlimmeres zu verhindern. Denn in unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich auch das Gelände der Ilmenauer Schützengesellschaft. Gegen 6.30 Uhr war das Feuer gelöscht, bis gegen 9.30 Uhr blieb ein Feuerwehrfahrzeug noch vor Ort als Unterstützung für die Polizei. Die blaue Holzbaracke ist Eigentum der Stadt Ilmenau, bewirtschaftet wurde die Einrichtung von der Arbeiterwohlfahrt (Awo). Seit Jahresanfang hatte sie hier einen allgemeinen Jugendklub betrieben, der nur jeweils am Donnerstag für einige Stunden geöffnet war. Dennoch: Das "Blaue Wunder" galt stets als beliebter Treff der rechten Szene. Erst in den vergangenen Jahren wurde es ruhig um das Haus. Das sah freilich noch vor rund einem Jahrzehnt anders aus. So mussten etwa im August des Jahres 2000 Polizei und Bundesgrenzschutz eine Ansammlung von über 50 Rechtsextremen auflösen, die sich von hier aus auf den Weg zu einer untersagten Veranstaltung in Bad Berka machen wollten. Zwei Jahre später kam es zu weitaus übleren Vorfällen. Am Rande des Ilmenauer Stadtfestes im Juni 2002 prügelten sich Jugendliche, die die Polizei eindeutig dem Klub "Blaues Wunder" zuordnete, mit Punks und Autonomen. Zwei Monate zuvor hatten dieselben Personen in einem Gehrener Jugendklub eine Schlägerei angezettelt, ein weiterer Zwischenfall ereignete sich mit Ausländern in der Ilmenauer Schwanitzstraße. Deswegen ist Ilmenaus Jugendszene alarmiert: Sollte sich bewahrheiten, dass der abgebrannte Jugendklub Ziel eines Anschlags war, werden wieder turbulente Zeiten befürchtet. Dabei hatte sich die Situation in Ilmenau in den vergangenen Jahren merklich entspannt. Im Jugendhaus "Schatoh" - früher Treff der linken Szene, heute mit völlig gemischtem Publikum von HipHop- bis Blackmetalfan - gehen die Besucher klar auf Distanz: "Wenn das Feuer gelegt wurde, war das eine dumme, sinnlose und irrsinnige Aktion", gibt Jugendpflegher Matthias Hahn auf Anfrage von "Thüringer Allgemeine" die Stimmung unter den Klubbesuchern wieder. Die beiden Einrichtungen hätten in den vergangenen Jahren gut zusammengearbeitet, "wir waren froh, dass wir endlich Ruhe in die Konflikte gebracht haben", sagt er. Auch unter jenen linken Ilmenauer Jugendlichen, die das "Schatoh" wegen der klaren Regeln im Klub eher meiden, steht das Geschehen der Samstagnacht in keinem Verhältnis zu ihrer Ablehnung rechter Gesinnung. "Wir wären doch bescheuert, mit so einer Aktion würden wir uns ins eigene Fleisch schneiden", meint einer von ihnen, mit dem Vorwurf konfrontiert, der Brand könnte auch gelegt worden sein. Derweil wird der Vorfall in linken Internetforen allerdings mit einer gewissen Häme belegt. "Da man ja davon ausgehen kann, dass in so einem Club nachts niemand ist, war die Aktion im Prinzip richtig", schreibt einer dort im Schutz der Anonymität. Ob das Feuer absichtlich gelegt wurde, dazu hält sich die Kriminalpolizei in Gotha noch zurück. Ein Sprecher kündigte gestern gegenüber dieser Zeitung einen Bericht zu den aktuellen Ermittlungsergebnissen für den heutigen Tag an. Bestätigt wurde deswegen auch nicht, was an dem Gerücht dran sein soll, dass Samstagnacht kurz vor dem Brand ein Kunde in einer nahe gelegenen Tankstelle drei Flaschen Spiritus gekauft haben soll. Wie es heißt, werden dazu die Videoaufnahmen der Tankstelle ausgewertet. Und angeblich soll es in der Nähe des "Blauen Wunders" zur gleichen Zeit eine Gartenparty gegeben haben. Der Schaden am Jugendclub selbst beträgt rund 50 000 Euro. Nach Informationen der Polizei ist es bislang im Stadtgebiet ruhig geblieben. Von Manuela EIERT und Arne MARTIUS
|
| < zurück | weiter > |
|---|