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FFW Manebach

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"Könnte mal schlimmer kommen" Drucken
Geschrieben von Freies Wort   
Dienstag, 16. Dezember 2008

Klasse- 6-Kennzeichnung löst das volle Programm aus: Giftiger Müllverbrennungs-Filterstaub!

Manebach/Stützerbach – Es war gestern Morgen gegen 8.30 Uhr großes Glück im Spiel, dass gerade kein Fahrzeug im Gegenverkehr kam, als dieser Dreiachs-Hänger ins Schleudern kam und quer über die B4-Fahrbahn zwischen Stützerbach und Manebach stürzte.

Warum der unverletzt gebliebene 26-jährige Fahrer einer bayerischen Entsorgungsfirma offenbar die Gewalt über seinen Lastzug verlor, war dabei zunächst zweitrangig. Denn das, was die zwei Anhänger-Container beim Bersten an schmutzigem Grau im Straßengraben freisetzten, waren Filterabfälle einer Müllverbrennungsanlage. Gefahrgut der Klasse 6 – giftige Stoffe!

Und so starteten Rettungsleitstelle und Polizei das volle Programm eines Gefahrgut-Havarieeinsatzes, wie ihn Kameradinnen und Kameraden des Gefahrgutzuges Ilmkreis immer wieder in voller Schutzmontur trainieren. Was tun, wenn nur wenige Meter vom Ilm-Lauf entfernt Schneeschmelzwasser eine pulvrige Substanz talwärts spült, deren Inhaltsstoffe es in sich haben: "3-Bromobenzanthron, toxisch, fest..." sagt die dicke "ADR-Bibel", das Nachschlagwerk zu zigtausenden, weltweit einheitlich klassifizierter Gefahrgütern. Neben Mess- und Analysetechnik, Schutzausrüstung und Dekontaminierungsgerätschaften das wichtigste Handwerkszeug des Gefahrgutzuges. Dessen Einsatzgruppen sind binnen kurzer Zeit aus Ilmenau, Arnstadt, Plaue, Großbreitenbach und Stadtilm vor Ort. Sowohl die stets bei den Frachtpapieren zu führenden Unfallverhütungsvorschriften als auch die in den Feuerwehrunterlagen klassifizierte, internationale UN-Gefahrgutnummer 2338 verweist auf schwere Wasserlöslichkkeit des Giftstoffes, der jedoch eine Tücke hat: Er ist leichter als Wasser, schwimmt auf dem davon... Kameraden, die jetzt unter vollem Körper- und Atemschutz am Havaristen hantieren, dessen Umladung durch ein bayerisches Spezialunternehmen und Bergung durch den Abschleppdienst Wilinski vorbereiten, sind durch die Einsatzleitung gewarntt: Bei Hautkontakt sind Leber- und Nierenschäden möglich, bei Einatmung Blaufärbung der Fingernägel... und Schlimmeres.

Inzwischen sind auch Vizelandrat Reiner Zobel und Ilmenaus Ordnungsamtsleiter Frank Jäger vor Ort, nennen es einen "großen Glücksfall, dass die giftigen Filterrückstände nicht in die nahe Ilm gerieten". Dafür, dass dies nicht auf Umwegen über das Straßengraben-Schmelzwasser doch noch geschieht, sorgen inzwischen rund 70 Feuerwehrleute.

Vollsperrung: Über Stunden wundern sich Manebacher B4-Anlieger über die geradezu gespenstische Ruhe auf "ihrer" sonst vielbefahrenen Bundesstraße; Unmut an der Bushaltestelle, weil Fahrgäste die Ursache der Stille (und des lange überfälligen Busses) lediglich ahnen: "Wir dachten an ein FFw-Rennen, eine Übung oder so, als hier vorhin 18 Feuerwehrautos Richtung Stützerbach durchbretterten", sagt ein Haltestellen-Wartender.

An der Unfallstelle ist Stunden später nach Probennahmen das Gröbste geschafft. Ein Kamerad des Gefahrgutzuges winkt ab: "Könnte viel schlimmer kommen, wenn sich weiterhin wegen der irrwitzigen Gefahrgutsperrung der A71-Tunnelkette die Gas- und Treibstofftanker, Gift- oder auch Sprengstofflastzüge durch unsere dichtbesiedelten, kurvenreichen Orte quälen müssen, während man europaweit Gefahrgüter auf Autobahnen, raus aus den Siedlungsgebieten lenkt!"

Von Klaus-Ulrich Hubert

 

 
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