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Einmal im Jahr richtig "Feierwehr" Drucken
Geschrieben von Freies Wort   
Sonntag, 9. März 2008

Größte Frauentagsfeier im Ilmkreis / Ohne Frauen geht nichts – alte Ost-Weisheit neu?

Altenfeld – Genau umgekehrt wie sonst in den Einsatzabteilungen waren die Verhältnisse in den Feuerwehren des Ilmkreises zum Internationalen Frauentag: Über 270 Frauen, die absolute Mehrheit, kamen aus allen Richtungen des Ilmkreises zusammen – nur gut ein Dutzend Männer übernahmen den hauswirtschaftlich-gastronomischen Part, bedienten "ihre" Feuerwehrfrauen, waren deren Chauffeure... oder durften ihnen dezent an Bluse oder Blazer: Zum immer wieder nicht ganz einfachen Anheften von neun Orden.

Diesen Umstand meinte Vize-Landrat Rainer Zobel freilich nicht, als er gestand, "nix besseres als solche Termine hier in Vertretung des Landrates zu übernehmen. Aber ich bin in sehr festen Händen, habe fünf Kinder... alle mit einer Frau!" Kleiner Vorab-Kalauer, bevor zu vorgerückter, ausgelassener Stunde auf die Männerminorität auch noch der "Sondereinsatz" wartete: Als Tanzpartner zur Live-Musik von "Dynamic" (Stadtilm). Traditionsgemäß ist‘s die größte Frauentagsfeier – mindestens! – im Ilmkreis, wie der neue Kreisfeuerwehrverbands-Vorsitzende Sven Tittelbach-Helmrich zur Begrüßung in der Altenfelder Mehrzweckhalle betonte. Die Männer von Lothar Schuberts Altenfelder Feuerwehrverein waren zum dritten Mal dienstbare Geister, "junge hübsche Burschen, die dafür sorgen, dass es ihnen heute an nichts mangelt", wie der gastgebende Bürgermeister Peter Grimm (SPD) augenzwinkernd betonte.

Applaus von den Frauen und Mädchen, die sowohl in Einsatzabteilungen physisch und psychisch fit ihren "Mann" stehen, als auch bei Einsätzen, Ausbildungsmaßnahmen oder zu Veranstaltungen als "rückwärtige Dienste" agieren, sich oft auch schon jahrzehntelang für aktive Nachwuchsarbeit engagieren. Tittelbach-Helmrichs Anerkennung für die frohgestimmten Damen hatte nichts Aufgesetztes, als er nach einem kurzen Exkurs in die Geschichte des Frauentages betonte: "Ohne Frauen in der Feuerwehr – das ist heutzutage nicht mehr machbar!"

Spätzündung und schlechte "Ausrückezeiten"

Dabei hatte er nicht nur die hohe Wochentagsverfügbarkeit bei Einsatzfällen vor Augen, sondern auch die "mütterlich-mitfühlende Art des Umgangs mit Betroffenen von Unfällen oder Bränden". Nachdenklich stimme ihn, dass es so viele Jahre brauchte, ehe im (Gesamt-)Deutschen Feuerwehrverband kapiert wurde, dass Feuerwehrarbeit eben doch keine Männerdomäne mehr ist... sein kann. Einfach auch aus Personalstärkegründen. Die Frauen mit DDR-Erfahrung im Saal hatten ein Schmunzeln im Gesicht, als sie an den diesbezüglichen, emanzipatorischen "Ost-Vorsprung" dachten... Stichwort: Frauenlöschgruppen.

Der Kreisverbandsvorsitzende gestand zwar, zu DDR-Zeiten den Frauentag nie gemocht zu haben, was sich aber gewandelt habe. Und das so sehr, dass er heute selbst über solche "Frauen-Freunde-Kampagnen" des Bundesverbandes schmunzeln muss wie die mit den Wortspielerei-Slogans: "Frauen an den (Brand-)Herd!" Oder "Frauen sind Katastrophen(-schützerinnen)". Spätzündung auf höheren Etagen...

Brenzlich roch es nicht, aber brenzlich zumute war es den Gastgebern und Heiko Heß als Amtsleiter Brand- und Katastrophenschutz gegen Ende des offiziellen Teils, als noch immer nicht der erwartete Essenduft durch den Saal wehte. Ein mit der Lieferung beauftragter Gastrobetrieb hatte Probleme.

"Schlechte Ausrückezeiten" witzelte eine der neun ausgezeichneten Frauen, als die Verpflegung eben nicht so war wie die Bewegung. Antransport mit Blaulicht hätte da auch nichts mehr genutzt; hungern musste letztlich niemand. Und da das Auge mit isst: Wenn einmal im Jahr zum Frauentag so richtig "Feierwehr" angesagt ist, darf‘s zu späterer Stunde auch schon mal deftiger sein: Das Altenfelder Männerkirmes-Ballett sorgte für lecker Nachtisch.

Die "Vorspeise" indes, durfte gleichen Abends nicht verputzt werden, die muss auch noch für die Männer reichen: Zobel zückte eingangs ein (signal-)rotes Mäppchen: 13 000 Euro, Fördermittel für den FFw-Kreisverband.

Von Klaus-Ulrich Hubert

 
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